Geschlechterrollen in den Medien

Geschlechterrollen
Geschlechterrollen
Medien bilden die Realität nicht bloß ab und stellen diese so dar, wie sie wirklich ist. Das ist keine neue Erkenntnis und wird durch philosophische Systeme wie dem Konstruktivismus bestärkt, von Medienpsychologen schon lange als erwiesen bezeichnet und vor allem im „postfaktischen Zeitalter“ als „Faktum“ postuliert. Gute Recherchen würden stets mehrere Sichtwinkel abbilden, die gesammelten Fakten kritisch auswerten und stets auch die Unvollständigkeit einer Berichterstattung berücksichtigen. Medien wurden und werden jedoch auch oftmals gezielt als Manipulator der öffentlichen Meinung verwendet. Nicht nur die Nationalsozialisten des zweiten Weltkriegs waren Meister darin die Medien zu benutzen, auch heute gibt es zahlreiche Beispiele hervorragender Manipulation über die Medien. Nordkorea, die Türkei, selbst Donald Trump zeigt Anzeichen hierfür. Nicht umsonst stammt das das Wort „Fake News“ aus seinen Kreisen. Doch auch in Österreich manipulieren Medien.

Ein kleines Beispiel mit größeren Auswirkungen, als man zunächst annehmen würde, wurde unlängst von der Heute-Zeitung produziert. Ein Was-Auch-Immer (Überschrift + Foto mit einer Zeile Text) über die neue Gesundheits- und Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner zeigt sie auf mehreren Veranstaltungen. Auf den ersten Blick ist auf den drei Fotos nichts Ungewöhnliches. Erst im Text erfährt man den Grund für den „Artikel“: Sie trägt auf allen drei Fotos dieselben Schuhe! (Anm.: Was nicht erwähnt wird: Zwei Fotos dürften vom selben Tag stammen, da das gesamte Outfit identisch ist.) Dass dies überhaupt in einer „Zeitung“ erwähnt wird, ist ein Hinweis darauf, dass dies etwas Besonderes ist. Und in der Aufmachung („Sind das Ihre Glücksschuhe, Frau Minister?“) wird suggeriert, dass dies etwas Negatives ist. Kurz: Es ist schlecht oder peinlich, dass sie immer dieselben Schuhe an hat.

Nun gibt es eine Reihe von Faktoren, die zu diesem Text hier führen.
1.) Die Heute-Zeitung würde diesen Text nicht über einen männlichen Minister schreiben. Zumindest hätte ich noch nie einen Artikel über die Schuhwahl eines Politikers gelesen, wenn er immer dieselben Schuhe trägt. Dieser Artikel ist somit sexistisch, da damit impliziert behauptet wird, dass Frauen immer andere Schuhe tragen müssten; sonst wären sie seltsam und würden negativ auffallen.
2.) Die Zielgruppe der Tageszeitung sind Benützer der öffentlichen Verkehrsmittel. Oft blättern vor allem Jugendliche durch die Seiten. Wie ich im Artikel „Digital Natives ‚Als Ob'“ bereits angedeutet habe, ist die Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen ob ihrer digitalen Sozialisierung eine Andere, als bei früheren Generationen. Ein langer Artikel ohne Bilder wird zumeist überflogen, eine Zeile mit drei Bildern und einer Überschrift wird zumindest gescannt. Das reicht aus um den Inhalt aufzunehmen; egal ob bewusst oder unbewusst. Die Botschaft wird verarbeitet und implizit gelangt die Einstellung, dass Frauen unterschiedliche Schuhe haben und tragen müssen, in die Jugendlichen und prägt bei ausreichender Intensität ein wenig auch deren soziale Entwicklung.
3.) Die „Zeitung“ vermittelt darüber hinaus, dass dieses Verhalten gesellschaftlich akzeptiert ist. Wenn also ein Mädchen in der Oberstufe häufig dieselben Schuhe trägt, dann ist die Hemmschwelle der anderen SchülerInnen niedriger dies anzuprangern. Dieses Phänomen wird im Übrigen durch viele Zeitschriften verstärkt…
4.) Während eine gesellschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen angestrebt wird, zeigt die Heute, dass dies bei der Wahl der Schuhe (die wohl jedem selbst überlassen ist) keinesfalls erreicht wurde, viel eher, dass dies nicht erreichbar sein wird. Dies wiegt umso mehr, als Frau Rendi-Wagner auch die Frauenministerin Österreichs ist.

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