﻿{"id":479,"date":"2017-02-23T16:05:11","date_gmt":"2017-02-23T15:05:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.raile.at\/raile\/?page_id=479"},"modified":"2017-03-21T19:56:31","modified_gmt":"2017-03-21T18:56:31","slug":"erkenntnistheorie","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.raile.at\/raile\/erkenntnistheorie\/","title":{"rendered":"Erkenntnistheorie"},"content":{"rendered":"<h2>Erkenntnistheorie<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img class=\"size-medium wp-image-480 alignright\" src=\"http:\/\/www.raile.at\/raile\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Erkenntnistheoriekl.jpg\" alt=\"Erkenntnistheorie\" title=\"Erkenntnistheorie\" width=\"260\" \/>Die gesamte Erkenntnistheorie auf eine Seite zu bringen ist unm\u00f6glich. Zahllose umfangreiche Hauptwerke besch\u00e4ftigen sich mit winzigen Ausschnitten der Erkenntnistheorie. Doch zumindest eine relativ einheitliche Fragestellung steht hinter all diesen Werken und Gedanken: Die Frage nach den Bedingungen von Erkenntnissen, \u00dcberzeugungen und nicht zuletzt Wissen. In letzterem Punkt findet sich die Schnittstelle zur Wissenschaftstheorie; konkreter in jenem Bereich, der sich mit der Erkenntnistheorie insoweit \u00fcberlagert, als er sich mit der Wissensbildung im Rahmen wissenschaftlicher Theoriebildungen und Untersuchungen befasst.\u00a0In vielen anderen Sprachen wird die Erkenntnistheorie zudem mit dem Wort Epistemologie beschrieben, das auf den griechischen W\u00f6rtern episteme (Wissenschaft) und logos (Lehre) basiert.<\/p>\n<p>Die Epistemologie oder Erkenntnistheorie ist eine der \u00e4ltesten philosophischen Fragestellungen und basiert auf der Frage woher wir sicher sein k\u00f6nnen, dass wir uns \u00fcber irgendetwas \u00fcberhaupt sicher sein k\u00f6nnen. Sp\u00e4testens seit Descartes ist diese Frage brennender denn je, doch auch in der Antike wurde bereits implizit gefragt welcher Kenntnis wir uns sicher sein k\u00f6nnen&#8230; und weshalb wir uns da sicher sein k\u00f6nnen. Eine Anekdote hierzu stammt von der Zeit, als Ludwig Wittgenstein und Mitglieder des Wiener Kreises aufeinander trafen. Ein Philosoph soll dabei immer wieder gesagt haben, dass er sicher sei, dass vor ihm ein Baum steht. Er sei sich vollkommen sicher, dass das ein Baum ist. Auf die Frage von Passanten ob es ihm gut gehen w\u00fcrde, wurde blo\u00df geantwortet: Ja, wir philosophieren nur.<\/p>\n<p>Diese Szene zeigt anschaulich die Schwierigkeit der Erkenntnistheorie eine sichere Basis zu finden, auf der das Wissen ruhen kann. Jede &#8222;normale&#8220; (sprich: Nicht-Philosophische) Person w\u00fcrde nun einwenden: Klar ist das ein Baum, du kannst ihn ja sehen, ber\u00fchren, dagegen rennen und eine Beule holen oder abholzen und verheizen &#8211; nur dann ist es kein Baum mehr, sondern Brennholz. Das Problem liegt im Hinterfragen der Gewissheit der Wahrnehmungen, die uns selbstverst\u00e4ndlich erscheinen, aber leicht get\u00e4uscht werden k\u00f6nnen. In jedem st\u00e4rkeren Rausch, bei hohem Fieber, bei der Betrachtung eines Objekts unter der Wasseroberfl\u00e4che und in unz\u00e4hligen anderen Situationen werden die Wahrnehmungen get\u00e4uscht. Vor allem Menschen mit psychotischen St\u00f6rungen kennen dieses Ph\u00e4nomen, da sie Stimmen h\u00f6ren, Objekte sehen, taktile Halluzinationen haben und dennoch glauben, dass dies real ist. Und wenn nun jemand einwendet, dass er aktuell nicht in einem Wasserglas sitzt, n\u00fcchtern ist, psychisch gesund und auch sonst keine Beeintr\u00e4chtigung hat, so w\u00fcrde ich fragen: Wie kann sich die Person da so sicher sein? Viele Psychotiker glauben, dass sie gesund sind und die anderen Menschen krank sind. Wie k\u00f6nnen wir behaupten, dass der gesunde Mensch nicht ebenfalls ein\u00a0Problem mit der Wahrnehmung hat? Und selbst wenn: Jeder Verkehrspsychologe und Verkehrspolizist kennt das Problem: Ein Unfall, zehn Zeugen, zehn Schilderungen von g\u00e4nzlich unterschiedlichen Ereignissen obwohl jedeR glaubt genau das zu sagen, was er oder sie wahrgenommen hat.<\/p>\n<p>Im Laufe der Geschichte haben sich zahllose erkenntnistheoretische Str\u00f6mungen gebildet: Empirismus <em>(Sinnesempfindungen sind das Ma\u00df der Erkenntnis der Au\u00dfenwelt, logisches Denken ist irrelevant oder zumindest nachrangig)<\/em>, Rationalismus <em>(Gegenpart &#8211; nur das Denken f\u00fchrt zu sicherer Erkenntnis, Wahrnehmungen sind irrelevant oder nachrangig),<\/em> Idealismus <em>(Ideen pr\u00e4gen die Wahrnehmungen, \u00fcber die Au\u00dfenwelt kann man nur in diesem Kontext etwas\u00a0sagen)<\/em>, Realismus <em>(geht davon aus, dass die Au\u00dfenwelt erkennbar ist, so wie sie ist)<\/em>, Konstruktivismus <em>(geht davon aus, dass das erkennende Subjekt die Au\u00dfenwelt an das eigene Innere &#8222;anpasst&#8220; und konstruiert)<\/em> und viele mehr, beispielsweise der Strukturalismus, der kritischen Rationalismus, die evolution\u00e4re Erkenntnistheorie, die genetische Epistemologie, etc.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkenntnistheorie &nbsp; Die gesamte Erkenntnistheorie auf eine Seite zu bringen ist unm\u00f6glich. 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